MediaAcT: Erste Ergebnisse stehen fest

80 Prozent der italienischen JournalistInnen klagen über politischen Druck, kritische Mediennutzung ist im arabischen Raum besonders stark: Die ersten vergleichenden Auswertungen der repräsentativen Befragung von 2.000 JournalistInnen in 14 Ländern zeigen zum Teil große Unterschiede im Bereich Medienselbstkontrolle auf.
Ein EU-Projekt (7. Rahmenprogramm) mit dem Titel "MediaACT" vergleicht derzeit in 14 Ländern Europas und im arabischen Raum die so genannte Medienselbstkontrolle. Medienhaus Wien hat als Projektpartner den Österreich-Teil der Studie durchgeführt.

Insgesamt wurden in 14 Ländern 2.000 Journalistinnen und Journalisten befragt. Den WissenschaftlerInnen geht es darum, Faktoren zu identifizieren, welche die Medienselbstkontrolle stärken oder schwächen und Instrumente zur Stärkung verantwortungsbewussten Journalismus aufzuzeigen.

Pressekodizes, Presseräte, Medienkritik in diversen Formaten, aber auch die Kontrolle durch die Öffentlichkeit in Social Media und Blogs gelten als verbreitete Instrumente. Das Maß, in dem diese eingesetzt werden und mit dem Wirkungen erzielt werden, unterscheidet sich in den untersuchten Ländern erheblich.

Die Umfrage ist in einigen der befragten Länder noch offen. "Einige Tendenzen zeigen sich aber schon sehr deutlich: Im arabischen Raum ist beispielsweise kritische Mediennutzung stärker als anderswo. Pressefreiheit wird als besonders wichtig angesehen, was wohl als Basis und als Ergebnis der jüngsten Entwicklungen angesehen werden kann", so Matthias Karmasin (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Gesellschafter von Medienhaus Wien), der als einer der Projektpartner an dieser Studie mitwirkt.

Auch andere Zwischenergebnisse stehen im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen: So geben beispielsweise 80 % der italienischen JournalistInnen an, dass die Qualität ihrer Arbeit unter politischem Druck leide. Im Vergleich dazu die österreichischen Werte: Ca. 55 % geben an, politischem Druck ausgesetzt zu sein, während ca. 80 % unter ökonomischen Bedingungen leiden.

Der Einfluss von sozialen Medien auf die Medienselbstkontrolle ist in Tunesien am höchsten: So geben dort über 30 % der JournalistInnen an, bereits über Blogs und Social Media kritisiert worden zu sein, im Vergleich dazu ist es nur ca. 17 % der österreichischen JournalistInnen so ergangen.

Diese Ergebnisse stehen für eine der wichtigsten Beobachtungen, die durch die Studie bisher gemacht werden konnten: "Das Internet kann, wie wir in den arabischen Staaten sehen konnten, ein wichtiger Motor für verantwortungsbewusste Mediengestaltung sein", betont Karmasin.

Die vollständigen Ergebnisse werden in diesem Jahr in Buchform vorgestellt und 2013 in ein "Policy Briefing" an die EU-Kommission einfließen.

Weitere Informationen finden Sie hier

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